Zukunft Holz
Holz trägt, dämmt, wächst nach und altert schön. Warum das älteste Baumaterial der Welt zum Baustoff der Stunde wird — und was das für die Stadt bedeutet.
Der wesentliche Vorteil von Holz als Baumaterial ist seine Tragfähigkeit. Holz ist ein sehr stabiles und belastbares Material, das auch in großen Konstruktionen wie Hochhäusern eingesetzt werden kann. Zudem ist Holz ein nachwachsender Rohstoff, der im Gegensatz zu Beton oder Stahl weniger Energie bei der Herstellung benötigt und somit als nachhaltiger gilt. Und es gilt als gesundes Baumaterial, weil es atmungsaktiv ist und Feuchtigkeit reguliert.
Die Herausforderungen
Technische Herausforderungen beim Bauen mit Holz, etwa spezielle Brandschutzbestimmungen sowie die natürlichen Alterungsprozesse des Materials, müssen berücksichtigt werden, um die Langlebigkeit der Gebäude zu garantieren. Gerade deshalb wird Holz immer häufiger für Fassaden und Außenverkleidungen eingesetzt: Das authentische, natürlich alternde Aussehen, das durch die Verwitterung entsteht, wird heute oft bewusst genutzt, um eine ästhetische Wirkung zu erzielen. Trotz dieser Herausforderungen gilt Holz als Baumaterial der Stunde, weil es den Bedürfnissen nach Nachhaltigkeit, Gesundheit und Emotionalität entspricht.
Die Politik zieht nach
Mit dem Förderungsschwerpunkt „Gebäude in Holzbauweise“ fördert auch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft im Rahmen des Waldfonds die verstärkte Verwendung des Rohstoffes Holz. Wien selbst hat mit Projekten wie dem HoHo in der Seestadt gezeigt, dass Holzhochbau in der Stadt funktioniert.
Thermoholz: ein Trend im Holzbau
Ein Trend im Holzbau ist die Verwendung von Thermoholz — Holz, das ausschließlich mit Wärme und Wasserdampf modifiziert und stabilisiert wird. Durch die Hitzebehandlung wird eine hohe Fäulnisresistenz erreicht, was das Holz auch für den Einsatz im Außen- und Nassbereich geeignet macht, ohne dass es schnell durch Pilzbefall beschädigt wird. Die Wasseraufnahmefähigkeit wird verringert, wodurch es weniger quillt, reißt und schwindet; dadurch eignet sich Thermoholz auch für den Einsatz unter verschiedenen klimatischen Bedingungen.
Bei seiner Herstellung werden keine Chemikalien eingesetzt. Es handelt sich also um eine nachhaltige Wahl für eine natürliche Ästhetik. Thermoholz überzeugt auch in puncto Wärmedämmung und Energieeffizienz, was in Zeiten steigender Energiepreise ein wichtiger Faktor ist.
Ökologie und Kreislauf
Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und verursacht im Gegensatz zu Beton und Stahl deutlich weniger CO2-Emissionen — mehr noch: Verbautes Holz speichert Kohlenstoff, solange das Gebäude steht. In Bezug auf die Abfallentsorgung ist Holz ein umweltfreundlicheres Material als Beton und Stahl, da es leichter und einfacher zu recyceln ist.
Holz in der Stadt
Holz als Baumaterial findet zunehmend Verwendung in urbanen Umgebungen. Andrew Waugh, Gründungspartner des Londoner Architekturbüros Waugh Thistleton Architects, der über 20 Jahre mit vorgefertigten CLT-Paneelen arbeitet, sieht im Bauen mit Holzwerkstoffen große Vorteile, um Störfaktoren von Baustellen in der städtischen Umwelt zu minimieren: „CLT-Baustellen sind sauber, leise und trocken, ohne dass ständig Baustellenabfälle, Zementmischer, Bohrhämmer oder Lastwagen auf der Baustelle auftauchen.“
Neben den ökologischen Vorteilen spielt auch die ästhetische Wirkung eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu Beton und Stahl verleiht Holz Gebäuden eine weichere, natürlichere Optik, die oft als angenehmer empfunden wird. Durch den Einsatz von Holz können auch in der Stadtlandschaft stärkere Verbindungen zur Natur geschaffen werden; Holzgebäude lockern das Stadtbild auf und beleben die Architektur. Daher ist es nicht überraschend, dass immer mehr Architekten und Stadtplaner Holz in ihren Projekten einsetzen — nicht nur für Wohnhäuser, sondern auch für große, komplexe und innovative Konstruktionen. Es gibt mittlerweile viele beeindruckende Beispiele weltweit.
Das Fazit: Age of Timber
Wir befinden uns im „Age of Timber“, wie es Oona Horx-Strathern im Home Report 2022 begrifflich festhält: Die Technologien für den Holzbau verbessern sich, und neue Gesetze, Verordnungen und Subventionen für den Holzhochbau sorgen dafür, dass sich das Stadtbild langsam verändert — hin zu mehr Holz. Die Ausschreibung prestigeträchtiger Wettbewerbe für hohe Holzbauten führt zu höherem Ansehen für innovative Lösungen, vom modularen Bauen bis zu neuen Werkstoffen, und verstärkt den Trend weiter. Für Käufer heißt das: Wer heute ein Holzbauprojekt wählt, wählt ein Material mit Zukunft.






