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Trends · 17.09.2024 · 3 Min.

Die Zinswende und der Wiener Markt

Nach zwei Jahren steigender Zinsen hat die EZB im Sommer 2024 die Richtung gewechselt. Was das für Käufer, Verkäufer und Investoren in Wien bedeutet.

Die Zinswende und der Wiener Markt
Foto: Theodor Tietze / Unsplash

Im Juni 2024 hat die Europäische Zentralbank erstmals seit 2019 die Leitzinsen gesenkt. Für den Immobilienmarkt ist das mehr als eine Nachricht aus Frankfurt: Die Finanzierungskosten waren der Grund, warum sich 2023 in Wien so wenig bewegt hat. Wer verstehen will, was jetzt kommt, muss kurz zurückschauen.

Wie es dazu kam

Bis 2022 war Geld fast gratis. Wohnungskredite mit Zinsen um ein Prozent waren normal, die Preise stiegen Jahr für Jahr, und jeder, der kaufen konnte, kaufte. Dann kam die Inflation, und die EZB reagierte so schnell wie nie zuvor: Innerhalb von gut einem Jahr stiegen die Leitzinsen auf das höchste Niveau seit Einführung des Euro. Variable Kredite verteuerten sich binnen Monaten auf das Drei- bis Vierfache, Fixzinsangebote gleich mit.

Gleichzeitig traten strenge Vergaberegeln in Kraft: mehr Eigenkapital, begrenzte Kreditraten, kürzere Laufzeiten. Das Ergebnis war ein Markt, in dem Verkäufer ihre Preise nicht senken wollten und Käufer sie nicht mehr bezahlen konnten. 2023 wurde in Wien so wenig verkauft wie seit vielen Jahren nicht.

Was sich für Käufer ändert

Sinkende Leitzinsen bedeuten nicht automatisch billige Kredite. Die Banken geben Senkungen mit Verzögerung weiter, die langfristigen Zinsen hängen an den Kapitalmärkten, nicht an der EZB, und die Bewertungsregeln bleiben streng. Wer heute finanziert, zahlt deutlich mehr als 2021 — aber deutlich weniger als vor einem Jahr.

Wichtiger als die Zahl ist die Richtung. Mit der Zinswende kehrt die Planbarkeit zurück: Wer heute einen Fixzins vereinbart, weiß, dass er nicht auf dem Höchststand eingestiegen ist. Wer variabel finanziert, kann auf weitere Entlastung hoffen. Und wer 2023 abgewartet hat, rechnet jetzt wieder — wir merken das an den Anfragen, die seit dem Sommer konkreter geworden sind.

Was sich für Verkäufer ändert

Die Preise haben sich in Wien in den letzten beiden Jahren seitwärts bewegt, in guten Lagen kaum, in schwächeren deutlicher. Wer in dieser Zeit verkaufen musste, hat Abschläge hingenommen; wer warten konnte, hat gewartet. Diese Wartenden kommen jetzt zurück auf den Markt — aber nicht alle auf einmal.

Auf der anderen Seite wächst die Nachfrage schneller als das Angebot. Der Neubau ist in den Hochzinsjahren eingebrochen, Projekte wurden verschoben oder abgesagt, und was nicht begonnen wurde, fehlt in zwei Jahren als fertige Wohnung. Für Eigentümer in gefragten Lagen ist das eine gute Ausgangsposition: Sie verkaufen in einen Markt, in dem die Konkurrenz kleiner wird.

Was das für Investoren heißt

Für Anleger war die Hochzinsphase eine Rechenaufgabe: Warum drei Prozent Mietrendite mit Risiko, wenn die Staatsanleihe fast dasselbe bringt? Mit sinkenden Zinsen dreht sich diese Rechnung wieder. Das Zinshaus, die Anlegerwohnung, die Gewerbeimmobilie gewinnen relativ an Attraktivität — und mit ihnen die Nachfrage von Investoren, die 2023 an der Seitenlinie standen.

Das gilt besonders für Objekte mit Entwicklungspotenzial, bei denen der Wert nicht in der laufenden Rendite liegt, sondern in dem, was sich daraus machen lässt. Genau diese Objekte waren in der Hochzinsphase am schwersten zu finanzieren — und werden jetzt wieder gehandelt.

Wie es weitergeht

Niemand weiß, wie viele Zinsschritte noch kommen und wie schnell. Aber der Markt braucht keine Prognose, um sich zu bewegen — er braucht Vertrauen, dass die Richtung stimmt. Und dieses Vertrauen ist seit dem Sommer spürbar: mehr Besichtigungen, konkretere Gespräche, schnellere Entscheidungen.

Der Markt dreht sich nicht über Nacht. Aber er dreht sich. Wer jetzt verkaufen oder kaufen will, sollte den Markt kennen, nicht nur die Schlagzeilen — und jemanden an der Seite haben, der beides unterscheiden kann.

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